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Die wichtigsten Grundlagen für das Tiefschneefahren

Text: Bernhard Krieger & DSLV-Team

Tiefschneefahren sieht bei Könnern spielerisch leicht aus. So leicht ist es in Wirklichkeit leider nicht – so schwer, wie viele fürchten, aber auch nicht. Mit der richtigen Technik und ein paar Tipps ist der Spaß im Powder garantiert. Ski Kanada, Ski USA und die Experten des Deutschen Skilehrerverbands (DSLV) zeigen, wie es geht.

Powdern für Einsteiger & Fortgeschrittene: Wir zeigen wie!

Das Einsinken in tiefem und weichem Schnee und der erhöhte Widerstand ist am Anfang noch ungewohnt und verursacht Balance-Probleme. Jede Gewichtsverlagerung nach vorne, hinten oder zur Seite lässt die Ski entsprechend abtauchen, was durch Gegen- bzw. Ausgleichsbewegungen verhindert werden muss. Dies lässt sich am besten in einfachem Gelände austesten. Hierzu eignen sich kurze Tiefschneepassagen neben oder zwischen präparierten Pisten. Bei den ersten Versuchen sollten die Fahrstrecken nicht zu lang sein, weil durch eventuelle Stürze und das damit verbundene mühsame Aufstehen viel Kraft verloren geht. Bei langsamem Tempo kann aber auch das Stürzen und Sich-in-weichen-Schnee-fallen-lassen riesigen Spaß machen. Und das Wichtigste: Es nimmt die Angst vor Stürzen. Und denken Sie an die alte Grundregel: Wer nicht fällt, der lernt nix.

An den Tiefschnee gewöhnen
Gerade Tiefschnee-Novizen sollten sich langsam an das Fahren im weichen Schnee gewöhnen. Einige Übungen machen den Einstieg leicht:

• In tiefem Schnee mit Ski gehen, schieben, laufen, hüpfen, wippen, schreiten, springen,
• In tieferem Schnee geradeaus gleiten und dazu wippen (in alle Richtungen), springen, Ski versetzen, auf einem Bein fahren, auf beiden Beinen fahren, …
• Von gespurtem Schnee in unverspurtem Schnee fahren und umgekehrt.
• In stark verspurtem Tiefschnee Kurven fahren, später in weniger stark verspurtem Tiefschnee usw.
• In nicht zu tiefem Schnee Kurven fahren, später in etwas tieferem Schnee

Die Grundlagen des Tiefschneefahrens auf Ski

Auf beiden Beinen sollst du stehen
Es geht darum, die Unterstützungsfläche des Innenski richtig einzusetzen. In weichem Schnee sollte die Belastung auf beiden Beinen möglichst gleich verteilt sein, um ein einbeiniges Einsinken zu verhindern. Grundsätzlich bleibt aber die Mehrbelastung auf dem Außenski. Während der Kurvenfahrt versucht man bewusst und deutlich, den Innenski mit zu belasten. Der maximale Belastungskontrast wird aufgezeigt, wenn der Außenski einmal oder sogar mehrmals in einer Kurve angehoben wird. Diese Aufgabe trainiert zusätzlich das Gleichgewicht und kann zuerst auf einer präparierten Piste gefahren werden, dann in verspurtem Tiefschnee oder auch in niedrigem Tiefschnee.

Bilden Sie mit beiden Beinen einen Block!
Wird mit engerer Beinstellung gefahren, vergrößert sich in weichem Schnee die Flächenwirkung der Ski, die den Auftrieb verstärkt. Das macht das Skifahren im Powder viel leichter. Beim Zusammenpressen der Beine wird in den meisten Fällen auch der
Innenski stärker mitbelastet und größere Kantbewegungen aus den Beinen werden erschwert – so können gleich drei Vorteile entstehen. Für diese Aufgabe werden während der Kurvenfahrt die Beine mal stärker, mal schwächer zu einem Block zusammengepresst. Diese Aufgabe kann auch zuerst auf der präparierten Piste ausprobiert werden.

Der Rhythmus ist alles: Auf und nieder, immer wieder
Immer im Rhythmus bleiben – das ist eine der Grundregeln des Tiefschneefahrens.

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Im Kurvenwechsel strecken bzw. aufrichten, um dadurch die Ski stärker zu entlasten und leichter anzudrehen – in der Steuerung dosiert und gleichmäßig beugen bzw. tief gehen, um die Belastung besser zu regulieren. Ein stetiges und rhythmisches Hoch- und Tiefgehen während der Kurvenfahrt komprimiert durch stärkere Belastung den weichen Schnee und lässt den Verdichtungseffekt entstehen, der zum Kurvenwechsel genutzt werden kann. Je dynamischer das Aufrichten, desto stärker die Entlastung. Beim Üben kann dies ohne Weiteres bis zum Abheben der Ski führen. Im Tiefschnee spricht man dann vom Schanzeneffekt, der zum Schwebegefühl führt. Dies ist ebenso auf der Piste spürbar, nur drückt man sich hier nicht wie im Tiefschnee von der ganzen Lauffläche, sondern von der Kante ab.

Jetten
Wird im Kurvenwechsel das Aufrichten dynamisch nach hinten ausgeführt, spricht man vom Jetten, weil dann die Skispitzen wie ein Düsenjet ansteigen und aus dem Tiefschnee gehoben werden.

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Das ist anstrengend, erleichtert aber das Fahren in schwer drehbarem Tiefschnee. In Nordamerika ist der Powder meist wunderbar trocken und leicht zu fahren, Feuchter Schnee aber ist schwer und dann hilft das Jetten enorm. Auch das Jetten ist sehr gut auf der Piste zu erlernen.

Andrehen – Anrotieren
Um den höheren Drehwiderstand des tiefen Schnees zu kompensieren, wird der Oberkörper im Kurvenwechsel in die neue Kurvenrichtung vorausgedreht. Diese Vorabbewegung (früher Antizipation genannt) soll sich durch Körperspannung über die Beine auf die Ski übertragen und die Drehbewegungen aus den Beinen unterstützen. Das
Andrehen oder Rotieren sollte spätestens nach Überfahren der Falllinie gestoppt werden, weil ein Überdrehen des Oberkörpers in der Steuerung die Gesamtposition destabilisiert. Auf der präparierten Piste kann man das Andrehen hervorragend üben. Probieren Sie es aus: Es hilft im Tiefschnee enorm – gerade, wenn die Kräfte mal nachlassen.

Als nächstes: Übungen, Tipps & Tricks fürs Tiefschneefahren

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Noch mehr Infos zu Ski- und Snowboard-Fahrtechnik-Themen bieten die Lehrpläne des Deutschen Skilehrerverbands:

DSLV Lehrplan – Skifahren einfach, 2012, ISBN 978-3-8354-0869-2
DSLV Lehrplan – Freeriden einfach, 2012, ISBN 978-3-8354-0872-2
DSLV Lehrplan – Snowboarden einfach, 2012 ISBN 978-3-8354-0870-8