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White Wilderness Heliskiing: Heliskiing für Gourmets

Text: Bernhard Krieger

Heliskiing-Lodges gibt es viele in Kanada. Nach einem überwältigenden Tag im unberührten Tiefschnee kann man in vielen davon auch sehr gut essen. Nirgendwo aber so gut wie beim Newcomer White Wilderness Heliskiing in Terrace. Denn dort steht mit dem deutschen Klaus Menze ein junger Top-Koch in der Küche, der sein Handwerk in der Dreisterne-Gastronomie gelernt hat. Small Group Heliskiing bei White Wilderness – das ist Wintersport für Gourmets!

Normalerweise interessieren sich Heliskier morgens ausschließlich für den Wetterbericht und die Schneesituation. Was es zum Frühstück gibt? Egal – Hauptsache, es gibt Kraft für endlose Tiefschneeabfahrten und herausfordernde Tree Runs durch märchenhaft verschneite Wälder. Und an das Abendessen verschwenden Powder-Junkies in Kanada so früh am Morgen erst recht keinen Gedanken. Normalerweise. Bei White Wilderness Heliskiing in Terrace ist das anders.

White Wilderness Heliskiing Eröffnung: Ski Kanada war dabei

WWH Skeena Salmon Lodge c Brigita Krieger

Ski Kanada war zur Eröffnung in der Skeena Salmon Lodge.

Natürlich sind die allerersten Gäste des neuen Heliskiing-Anbieters im hohen Norden von British Columbia (BC) im Januar 2016 nicht wegen des grandiosen Essens in die Skeena Salmon Lodge gekommen, am Ende aber werden sie zu Hause vor allem davon erzählen. Das lag zugebenermaßen nicht nur daran, dass der Koch Klaus Menze so gut ist, sondern auch daran, dass Wetter und Schneestabilität in der Eröffnungswoche extrem schlecht waren. Dichte, tiefhängende Wolken und immer wieder in die Täler hineinziehender Nebel machten das Fliegen in den Skeena Moutains oft fast unmöglich. Zudem war die Lawinengefahr nach einem Wärmeeinbruch Anfang Januar und großen Neuschneemengen danach extrem hoch. Selbst auf flachen Hängen von nur 20 Grad gingen Lawinen ab.

 

White Wilderness Heliskiing: großes Potenzial

Die Möglichkeiten für Operations Manager Ken Bibby und sein neu zusammengestelltes Guides-Team lange, auch für erfahrene Heliskier interessante Abfahrten zu finden, waren dadurch stark limitiert, zumal sie ihr riesiges Terrain natürlich noch nicht so gut kannten. Ihre Kenntnis des Areals aber wird mit Woche zu Woche besser werden. Das Potential ist da, das Terrain muss nur erforscht und erschlossen werden. Das braucht Zeit und die richtigen Leute. Die dafür nötigen Guides hat WWH. Ken ist seit 1999 als Ski Guide und Ausbilder für Lawinensicherheit im Geschäft. Und mit Jordy Shepherd hat er sich den richtigen zweiten Lead Guide geholt. Jordy ist auf das Erschließen neuer Ski-Areale spezialisiert, zuletzt hat er einen Heliski-Anbieter in Japan mit aufgebaut.

Großartiger Koch bei White Wilderness: Klaus Menze

Wenn die Natur wie in der Eröffnungswoche nicht mitspielt, ist es ein Segen, dass die Lodge schön, das Team charmant und der Koch grandios ist. Was Klaus Menze in der nicht professionell ausgestatteten Küche der Lodge auf die Teller gezaubert hat, war aller Ehren wert. Schon zum Frühstück begeisterte der Koch mit wunderbaren Pilz-Omelettes, Eggs Benedict, frisch gemachtem Bircher Müsli und warmem Brot aus dem Ofen.

Guide Jordy und Pilot Wolly bei WWH c Bernhard Krieger

Mittags lieferte Klaus köstliche Suppen zur Heliskiing Mittagspause auf den Berg zusammen mit Sandwiches, die das in Nordamerika inflationär verwendete Gütesiegel „Gourmet-Sandwich“ endlich mal verdienten. Andere Lodges stopfen ein halbes Kilo vor Remoulade triefendes Fleisch in zwei labbrige Brothälften. Klaus schickte frisches Brot mit ein paar dünnen Scheiben saftigen Schinkens, einer feinen Gurke, ein paar wenigen Blättchen Rucola und einem Hauch von Senf auf den Berg. Köstlich!

Jakobsmuscheln und Hamachi-Thunfisch zum Après Ski

Und während man anderswo zum Après-Ski in der Lodge Chicken Wings, Pizza oder Nachos serviert bekommt, verwöhnt Klaus seine Heliskier mit Hamachi-Thunfisch und Jakobsmuscheln – ein Amouse Buche mit Sterne-Niveau. „So gut wie hier haben wir noch nie gegessen“, bestätigt auch Guide Jordy, dass der Koch eine absolute Ausnahmeerescheinung in der kanadischen Heliskiing-Szene ist. Dass er aus der Küche des mitlerweile geschlossenen Dreisterne-Restaurants Amador in Mannheim über ein paar Umwege bei White Wilderness Heliskiing in Terrace gelandet ist, war reiner Zufall. Nach dem Knochenjob in verschiedenen Sterneküchen wollten Klaus und seine Freundin Lisa, die als Managerin in der Modebranche gearbeitet hatte, einfach mal raus. „Aussteigen auf Zeit und irgendwo Jobben“, berichtet Klaus.

„So gut haben wir noch nie gegessen“

„Irgendwo“, das war schnell klar, sollte Kanada sein. „Kanada hat uns einfach mehr gereizt als die USA oder Australien.“ Für den Winter hatte sich das Paar Sun Peaks ausgeguckt. Klaus hatte bereits einen Job als Koch in einem Pub, ein Appartement war schon gemietet und sogar die Saison-Skipässe waren schon gekauft. Da kam die Chance mit White Wilderness.“, erzählt Klaus.

Seine im kanadischen Skistädtchen Nelson lebende Cousine ist mit WWH-Operationsmanager Ken befreundet. Und als der einmal erzählte, dass er für WWH einen guten Koch suche, schlug sie ihren Cousin vor. Wenige Wochen später stand der Deutsche schon in der Skeena Salmon Lodge am Herd.

Koch Klaus Menze: „Heliskiing ist ein Wahnsinnserlebnis“

White Wilderness Heliskinig Koch Klaus Menze in Aktion c Bernhard Krieger

Klaus Menze kocht einfach, aber grandios!

„In einer Heliskiing Lodge zu arbeiten, ist ein einmaliges Erlebnis. Schließlich kommt man so ab und zu ja auch mal zum Heliskiing, was doch sonst unbezahlbar wäre“, erzählt Klaus. Er fährt seit sieben Jahren Snowboard, seine Freundin Lisa ist Skifahrerin. Gleich in den ersten Tagen konnten sie schon mitfliegen. „Ein Wahnsinnnserlebnis“, berichtet Klaus, der in Kanada auch mal wieder die Ski anschnallt.

Während er anfangs versuchte, in der tiefsten kanadischen Provinz an hochwertige Zutaten für seine liebevoll präsentierten Gerichte heranzukommen, kümmerte sich Lisa als studierte Modedesignerin mit um die Einrichtung der Lodge. „All die charmanten Details sind ihr Werk“, lobt Operations Manager Ken. Die Lodge mit Bar, zwei Kaminöfen und einem großen Lounge- und Essbereich mit Blick hinaus auf die verschneiten Wiesen zwischen den gemütlichen Gäste-Blockhütten gehört zu den schönsten Heliskiing-Lodges Kanadas – erst recht, wenn sie im Sommer wie geplant ausgebaut und weiter modernisiert wird.

Massagen und Wein sind bei White Wilderness inklusive

Massagen sind bei WWH ebenso im Preis inkludiert wie der Wein zum Essen, Airbag-Rucksäcke und die neue Generation von ELAN-Ski. Die neuesten Ripstick-Modelle von ELAN konnten die WWH-Gäste im Januar schon fahren, bevor sie auf der ISPO 2016 offiziell vorgestellt wurden. Der Schweizer Besitzer Marcel Schneider hat sich mit seinen Partnern mit White Wilderness Heliskiing zweifellos einen Rohdiamanten zugelegt, der nur noch geschliffen werden muss.

Klaus kocht bei White Wilderness Heliskiing „einfach“, aber grandios

Die Küche ist schon perfekt. Klaus verwöhnt seine Gäste mit einfachen Gerichten wie Sablefish auf Risotto, Lammkarree, Filetsteaks oder kanadischem Wildlachs. Natürlich kocht er in der Lodge nicht so wie im Dreisterne-Restaurant. Den Chemie-Baukasten der Molekular-Küche hat er in Deutschland gelassen. Er baut auf den Tellern auch keine Türmchen und versucht seine Gäste auch nicht mit Schäumchen und übermäßig vielen Gelees zu beeindrucken. „Einfache, ehrliche Küche – aber mit besten Zutaten und perfekt zubereitet“, so beschreibt Klaus seine Küchenphilosophie in der WWH-Lodge.

„Oft überlege ich erst im Laufe des Tages, was und wie ich es mache“, erzählt der Deutsche, der sich von den Gästen gerne in die Töpfe schauen lässt. Da köchelt immer eine Fonds, eine Sauce oder eine Suppe vor sich hin. Wann immer er in der Küche entbehrlich und ein Platz im Heli frei ist, tauscht Klaus die Kochjacke gegen die Ski-Jacke und hebt mit Ken, Jordi und Co. ab. Kaum ist Klaus dann am Nachmittag wieder gelandet, bereitet er schon wieder den nächsten Höhenflug vor – diesmal den kulinarischen für seine Gäste.