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Meine erste Heliskiing-Woche: James Bond-Feeling in Kanada

Text: Brigita Krieger

Heliskiing ist nur etwas für wagemutige Top-Skifahrer, habe ich immer gedacht. Eine Woche lang schwerelos durch unberührten Powder zu gleiten, ist der Traum eines jeden Skifahrers. Mir aber wird dieses exklusive Vergnügen wohl für immer verwehrt bleiben, glaubte ich, weil ich zwar ganz gut Skifahre, aber wohl nicht gut genug. Der Erfinder und Weltmarktführer des Heliskiing, Canadian Mountain Holidays (CMH), hat mich eines Besseren belehrt.

Wieder erfasst eine heftige Windböe den Hubschrauber. Von Turbulenzen durchgerüttelt sackt der Helikopter ab, die Rotorblätter schrammen um Haaresbreite an den schroffen Felswänden der Rocky Mountains vorbei. Verzweifelt reißt der Pilot am Steuerknüppel. Mit lautem Hämmern schießen wir knapp über den Gipfelgrat hinweg auf unser Ziel zu. Als wir noch gut fünf Meter über dem winzigen Gipfelplateau schweben, reißt der Skibergführer die Seitentür des Hubschraubers auf und springt mitsamt Skiern ins weiße Nichts. „Raus, hinterher, springt!“, brüllt der zweite Guide. „Heliskiing ist nun mal nichts für Schwächlinge“, denke ich vor Angst halb erstarrt, als ich zur offenen Tür rutsche und mich in James Bond-Manier todesmutig aus dem Hubschrauber stürze. Der freie Fall scheint endlos – dann endlich reißt mich der Wecker aus meinem Alptraum.

Der Heli wartet vor der Lodge

7:15 Uhr: Statt tot in einer unzugänglichen Schlucht der Selkirk-Mountains liege ich in einem Zimmer der Gothics Lodge von Canadian Mountain Holidays (CMH) mollig warm in weichen Kissen. Vor meinem Fenster zeichnen sich weiße Gipfel vor einem sternenklaren Morgenhimmel ab – faszinierend, friedlich und gar nicht Angst einflößend. Direkt vor der Lodge wartet bereits der Hubschrauber für die erste Heliskiing-Woche meines Lebens. Mein Herzschlag wird schneller, mein Puls steigt. Erst als ich auf dem Weg zum Frühstück auf die Info-Tafel schaue, beruhigt sich mein Herzschlag. Ich bin in Gruppe drei eingeteilt und Pierre wird sie führen. Der Kanadier aus Vancouver ist die Ruhe in Person.

„Bloß nicht hetzen!“

Gestern hatte er gleich nach den Sicherheitseinweisungen alle Heliskiing-Novizen um sich geschart, um uns kurz zu erklären, was in den nächsten sieben Tagen auf uns zukommt. Von Sprüngen aus fliegenden Helis war nicht die Rede, obwohl viele Skifahrer und erst recht Nicht-Skifahrer in Europa immer noch glauben, dass man beim Heliskifahren in Kanada ohne vorherige Landung auf dem Berg starten würde. „Hetzt euch bloß nicht beim Ein- und Aussteigen und seid vorsichtig!“, hatte Pierre gemahnt. „Und sagt rechtzeitig Bescheid, wenn eure Kräfte nachlassen.“ Mindestens zweimal am Tag könne man zur Lodge zurückfliegen und so Kräfte für die nächsten Tage sparen.

Jeder gute Skifahrer kann zum Heliskiing kommen:“

Viele Skifahrer und Snowboarder setzten sich am Anfang viel zu sehr unter Druck und zweifelten gar, ob sie überhaupt gut genug fürs Heliskifahren seien, hatte der CMH-Guide erzählt. Dass ich mit meinen Befürchtungen nicht allein bin, bestätigt mir beim Frühstück auch Stefan, der deutsche CMH-Area-Manager der Gothics Lodge. „Dabei kann jeder gute Skifahrer, der schon mal im Gelände gefahren ist, problemlos bei CMH zum Heliskiing kommen“, versichert der Allgäuer. Möglich mache dies die breite Angebotspalette des Heliskiing-Weltmarktführers. Kein anderes Unternehmen biete so viele verschiedene Lodges und so viele verschiedene Programme für alle Könnensstufen, Wünsche und Budgets an.

Heliskiing-Programme vom Einsteiger bis zum Profi

Tatsächlich hat CMH Angebote vom Einsteiger bis zum Profi, die in speziellen „Steep & Deep“-Wochen besonders steile Tiefschneehänge befahren. Aber selbst wer noch nie im Tiefschnee unterwegs war, kann bei CMH das Heliskiing-Abenteuer wagen. „In verschiedenen Lodges haben wir zu gewissen Zeiten First Timer-Wochen, in denen wir Neulinge behutsam und ohne Stress an die Faszination Heliskiing heranführen“, erzählt Stefan. Außerdem biete die Vielfalt der Lodges für jeden das optimale Programm.

In der CMH-Gründungslodge Bugaboos zum Beispiel transportiert ein Helikopter vier Gruppen mit jeweils elf Gästen. Dort ist das Fahrtempo weniger hoch. Das ist optimal für Einsteiger und Genießer. Auch wenn das Tempo in diesen Lodges etwas geringer ist und am Ende etwas weniger Höhenmeter zusammenkommen, ist die Qualität des Skifahrens genauso hoch wie beispielsweise in der Bobbie Burns-Lodge, in der ein Helikopter drei Gruppen à elf Gästen fliegt.

Fliegende Lifte

Mit drei Gruppen à elf Gästen wird auch in der Gothics Lodge geflogen, in der ich nach dem üppigen Frühstück nun mit pochendem Herzen und weichen Knien zum ersten Flug durch den Schnee stapfe. Zusammengekauert warten wir bei knackigen Minus 20 Grad Celsius am Landeplatz. Als der Helikopter mit lautem Knattern auf uns zufliegt, muss ich unweigerlich an meinen Alptraum denken. Hubschrauber kannte ich bislang nur von Rettungseinsätzen oder aus Vietnam-Kriegsfilmen.

Kaum sind wir in aller Ruhe in den Heli geklettert, hebt unser fliegender Skilift auch schon ab. Nicht ruckartig, nicht wackelnd, sondern ganz sanft. Keine zehn Minuten dauert der Flug über Täler, Seen und unendlich weite Wälder zu unserer ersten Abfahrt. Die Landestelle ist mit einer Holzlatte markiert, an der ein rotes Fähnchen flattert. Millimetergenau setzt der Pilot die tonnenschwere Maschine daneben in den aufstaubenden Schnee. Dann öffnet der Guide die Tür und einer nach dem anderen klettert vorsichtig und ohne jegliche Hektik heraus.

Gipfel wie gotische Kathedralen

Kaum ist der letzte draußen, haben unsere beiden Guides auch schon auf der anderen Seite Skier und Rucksäcke aus dem Transportkorb ausgeladen. Der Heli steigt über uns auf, dreht ab ins Tal und von einer Sekunde auf die andere herrscht absolute Stille. Schneekristalle flirren im Sonnenlicht, um uns herum ist nichts außer der schier unendlichen, weißen Wildnis der Rockies mit ihren bizarren, wie gotische Kathedralentürme wirkenden Gipfeln, die sich vor einem tiefblauen Himmel abheben. Was für ein Panorama! Und was für ein Privileg, dieses weiße Paradies ganz allein für sich zu haben. Während in einem normalen Skigebiet tausende Skifahrer auf einer Handvoll Pisten zeitgleich unterwegs sind, gehören die 2000 Quadratkilometer der Gothics Lodge nur den 33 Gästen. Die Fläche entspricht ungefähr dem Kanton St. Gallen. Statt voller Pisten und verspurter Abfahrten gibt es hier nur unberührte Hänge, in denen allenfalls mal Spuren von Elchen, Bergziegen und Karibus zu sehen sind.

„Auf der ersten Abfahrt lassen wir es ganz locker angehen“, sagt Pierre, als wir unsere Ski anziehen und die Rucksäcke umschnallen. CMH stattet jeden Gast für den Notfall mit einem Lawinenverschütteten-Suchgerät, Schaufel und Sonde sowie einem Funkgerät aus. Auch ABS-Lawinenrucksäcke kann man ausleihen. Trotz höchster Sicherheitsstandards und bestens ausgebildeter Skibergführer bleibt im freien Gelände immer ein Restrisiko.

Nimm Dir Zeit!“

Obwohl es ausnahmsweise im Tiefschneeparadies seit über zwei Wochen nicht mehr geschneit hat, tauchen wir nach ein paar Schwüngen schon bald in federleichten Pulver ein. Mit jedem Schwung komme ich besser in den Rhythmus, die breiten Tiefschneeski schwimmen wunderbar auf und machen das Wedeln zum Kinderspiel. Ein Stopp zwischendurch zum Luftholen ist kein Problem. „Nimm Dir Zeit“, ruft mir Pierre zu.

Mit jedem Run werden meine Sorgen weniger, der Spaß größer: Fast schwerelos gleite ich über Gletscher hinweg und tauche dann in Waldstücke ein, in denen die Bäume genauso weit voneinander entfernt stehen, als seien sie extra für unseren Naturslalom gepflanzt worden. Skifahrerisch habe ich entgegen meiner Befürchtungen keinerlei Probleme und auch die Kälte ist halb so schlimm. Beheizbare Skisocken von Lenz wärmen meine Füße, meine Finger sind in den beheizten Skihandschuhen von Zanier überhaupt nicht kalt und wer – wie viele Gäste und auch die Guides –Skikleidung von Premiummarken wie Arcteryx oder Kjus anhat, trotzt ohnehin Wind und Wetter.

Kompetente Guides vermitteln Sicherheit

Obwohl das Lawinenrisiko derzeit sehr gering ist, beruhigt der ABS-Rucksack auf dem Rücken. Noch mehr aber beruhigt mich die Kompetenz und Souveränität der Guides. Nichts überlassen sie am Berg dem Zufall, alles ist bis ins kleinste Detail geplant, um höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Frühmorgens prüfen die Guides die Wetter- und Schneedaten, dann wählen sie die besten und sichersten der über 170 kartographierten Abfahrten zwischen 1000 und 2800 Metern Höhe in Gothics aus. Ihre heutige Auswahl ist grandios!

Beim Mittagessen kommen alle drei Gruppen nach einer Traumabfahrt über gut 1400 Höhenmeter an einem sonnigen und windgeschützten Platz mitten in den Bergen zusammen. Ein zweiter Hubschrauber hat heiße Suppe, Tee und Sandwiches gebracht. „Und sehr gewöhnungsbedürftige, eingelegte Austern“, wie Daniel lachend erzählt. Der Schweizer ist erstmals mit seinem Sohn beim Heliskiing, er selbst ist CMH-Stammgast. So wie viele: 70 Prozent der CMH-Gäste waren schon mehr als einmal da.

CMH-Vielfliegerprogramm: „1 Million Vertical Feet“

In der Gothics Lodge wimmelt es denn auch von blauen Arcteryx-Skijacken mit der Aufschrift „1 Million Vertical Feet“ auf dem Arm. CMH-Gründer und Heliskiing-Erfinder Hans Gmoser führte das CMH-Vielfliegerprogramm bereits 1970 ein, lange bevor American Airlines als erste große Fluggesellschaft 1981 sein Bonusprogramm auflegte. Bei CMH werden nicht Meilen, sondern Höhenmeter bzw. Höhenfuß (Vertical Feet) gesammelt. In einer Woche schaffen durchschnittliche Heliskier locker 35.000 Höhenmeter (ca. 115.000 Fuß), Top-Fahrer auch das Doppelte. Wer eine Millionen Vertical Feet erreicht, bekommt von CMH einen dieser begehrten Ski-Anzüge, der einen als Mitglied des exklusiven „Million Vertical Feet-Clubs“ ausweist.

Dieses „Feet & More“-Programm bindet sicher viele Gäste an CMH, noch wichtiger für die Stammgäste aber ist offensichtlich die einzigartig große Auswahl und die Bandbreite des Programms: „Je nachdem, mit wem ich zum Heliskiing gehe, suche ich mir bei CMH die passende Lodge aus und überall habe ich dieselben Sicherheitsstandards und den gewohnten Service“, erzählt John am Abend. Der Amerikaner war schon mit der Familie zum entspannten Skifahren in der Bugaboos Lodge und mit seinen Skiclub-Kollegen in der Adamants Lodge, die nur wenige Kilometer Luftlinie von der Gothics entfernt liegt. Dort und in der CMH K2 Lodge sowie in der Monashees Lodge fliegt CMH mit kleinen Helikoptern, die nur je fünf Skifahrer und drei Gruppen transportieren. Das Tempo ist sportlicher und am Ende der Woche das Höhenmeter-Konto entsprechend gefüllt. „Als nächste Tour ist bereits das Steep & Deep“-Camp geplant“, erzählt der Amerikaner beim Wein an der Bar der Gothics Lodge.

Neues Design in der Lodge

Die Bar und das Restaurant der Lodge wurden komplett in einem zeitgenössischen Rocky-Mountain-Design neu gestaltet. Holz, Naturstein und Ledersofas mit vielen Kissen schaffen in der Kamin-Lounge ein gemütlich-modernes Alpin-Flair, wie man es von Top-Hotels in den Bergen kennt. Nach einem saftig-zarten Steak beim gemeinsamen Nachtessen lasse ich den Premierentag meiner ersten Heliskiingwoche mit einem guten Glas Rotwein vor dem Kamin ausklingen. Auch diese Nacht werde ich sicher wieder vom Heliskiing träumen – ein Alptraum aber wird es nicht sein!

Name CMH Gothics
Location Gothics Lodge
Provinz/Bundesstaat British Columbia
Mountain Range CMH Gothics
Zielflughafen Calgary
Transferzeiten 6 ¾ h

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