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Extremely Canadian-Guide Dan Raymond: „Whistler ist Nordamerikas Wintersport-Mekka“

Text: Andreas Hottenrott

Kaum jemand kennt Whistler-Blackcomb so gut wie Dan Raymond. Der ehemalige Profi-Snowboarder begleitet Gäste von Extremely Canadian in das anspruchsvollste Gelände von Nordamerikas größtem Skigebiet. Was Whistler für Dan so besonders macht, wo er am liebsten fährt und wo er nach einem Powder-Tag einkehrt, hat er SKI KANADA verraten.

Whistler: fantastisches Skigebiet, für Mountainbiking überragend

Dan, du lebst seit mehr als 20 Jahren in Whistler, hast während deiner Profi-Karriere aber viele andere Wintersportorte gesehen. Waren ein paar darunter, die dich auch reizen würden?

Ja, ich hatte das Glück, viel zu sehen. Und es gibt Orte, von denen ich gesagt hätte: Hier könnte ich leben. Das ist zum Beispiel Laax in der Schweiz oder Wanaka in Neuseeland. Und, glaub es oder nicht, Rosa Chutor. Dort wurden die Freestyle- und Snowboard-Wettbewerbe der Olympischen Spiele von Sotschi ausgetragen. Der Berg ist großartig. Das ist wie Alaska, aber mit Sesselliften überall. Ich war nie zuvor in einem intensiveren Resort für Expert Freeriding. Ich kann nicht glauben, dass einiges von dem Terrain nicht mit Seilen gesichert war. Da heißt es: Du bist in den Bergen – viel Glück. Ich würde nicht dorthin ziehen, aber für einen Urlaub ist es klasse.

Also bleibt Whistler das Größte für dich?

Nach 20 Jahren entdecke ich noch immer Sachen, die neu für mich sind. Hier ist alles so riesig. Und das Mountainbiking im Sommer ist der Wahnsinn. Nach internationalen Standards ist Whistler ein fantastisches Skigebiet und für Mountainbiking ist es überragend. Es gibt nichts Besseres auf dem ganzen Planeten.

Ist Mountainbiking deine zweite Leidenschaft?

Das ist mein Sommerjob, ich lege Mountainbike-Trails an. Das passt ideal zu meinen Aufgaben im Winter. Ich kann mir keinen Ort vorstellen, an dem beides besser harmonieren würde.

„Bestimmte Kultur, die Leute anzieht“

Warum sind so viele Skifahrer und Snowboarder von Whistler fasziniert?

Hier gibt es eine bestimmte Kultur, die Leute anzieht. In Nordamerika ist Whistler das Wintersport-Mekka. Für viele geht es darum, die eigenen Grenzen zu erweitern. Eben sind Siebenjährige an uns vorbeigefahren, die vor uns an einem Cliff sein wollten. Das ist ein bisschen Segen und Fluch: Jeder möchte ein Alpha sein. Wenn jemand von einer Klippe springt, dauert es nicht lange, bis der nächste einen Backflip machen will. Das spürst du in der Community. Kinder gehen jedes Wochenende mit ihren Coaches ins Gelände und nehmen an Freeride-Wettbewerben teil. Wir haben Rentner hier, die noch immer die steilsten Double Black Diamonds fahren und Leute, die jeden Tag den ersten Lift erwischen wollen. Sowas existiert vielleicht auch an anderen Orten – aber Whistler vibriert mit diesem Geist.

Das Resort ist aber nicht nur etwas für Experten, oder?

Nein, selbst das Off-Piste-Terrain hat seine flachen Stellen, die gut zugänglich sind. Normalerweise stürzen sich die Leute nach einem Schneefall auf diese Gebiete. Wenn du am Anfang Fahrt aufnimmst und dann durch den Tiefschnee gleitest, entzündet das einen Funken in dir. Dann möchtest du das öfter haben und mit deinen Freunden teilen.

Was würdest du Wintersportlern empfehlen, die zum ersten Mal nach Whistler kommen?

Die Augen offen halten! Wenn du im Sessellift sitzt, siehst du schon einige Stellen, die interessant für dich sein könnten. Dann überlegst du: Kann ich zu dem kleinen Drop dort kommen? Wie erreiche ich diese Chute? Wenn du dich von oben näherst und es dir nicht sicher erscheint, fährst du eben wieder raus. Falls du vom Lift aus nichts entdeckt hast, was dich anspricht, solltest du einen Guide von Extremely Canadian buchen.

Bester Schnee am Peak Chair

Welcher Berg gefällt dir persönlich besser, Whistler oder Blackcomb?

Das hängt davon ab, wie viel los ist. Wenn ich die Warteschlangen überspringen kann, definitiv Whistler. Am Peak Chair gibt es den besten Schnee und das interessanteste Gebiet für Fortgeschrittene. Und das Terrain am Garbanzo Express fühlt sich an wie ein Labyrinth. Ich liebe das! Ich kenne das Gebiet sehr gut und kann jedes Mal einen leicht anderen Weg wählen, je nachdem, wo die Powder Pockets sind. Und wenn ich die Warteschlangen mal nicht überspringen kann, bin ich am Mid-Mountain von Blackcomb. Da gibt es beinahe unbegrenzte Möglichkeiten. Manchmal wache ich auf und denke mir: Ich habe richtig Lust auf Prime Rib, einen Run auf Blackcomb. Und am nächsten Tag möchte ich Tiger Stairs auf Whistler fahren. Letztlich kann man nicht alles haben an einem Tag. Die Abwechslung macht’s.

Und wie endet ein Powder-Tag für dich normalerweise?

Ich bin gerne im Dubh Linn Gate wegen der großen Bierauswahl. Wenn ich mit Freunden aus Vancouver hier bin, fahren wir zu Function Junction, da gibt es lokale Biere. Eine tolle Brauerei im Dorf ist das High Mountain Brew House. Und wenn wir auf Blackcomb fahren, enden wir meisten im Fitzsimmons, einem ganz kleinen und ruhigen Pub. Leckere Pizza gibt es im Antico und falls du auf saftige Burger stehst, lohnt sich ein Besuch im Nicklaus North Golf Course, der allerdings etwas außerhalb liegt. Andere Leute stehen auf Après-Ski mit lauter Musik und Tanz auf den Tischen. Mir gefällt es eher, wenn ich mich mit meinen Freunden unterhalten und ihnen am Ende ein High Five auf einen perfekten Tag geben kann.

Im ersten Teil des Interviews erfahrt ihr mehr über das Extremely Canadian-Programm.

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