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Stumböck-Guide René Schüpbach: „Skifahren in Nordamerika anders als in den Alpen“

Text: Andreas Hottenrott

Sein Leben lang steht René Schüpbach auf Skiern, erst in den Schweizer Alpen, dann in den kanadischen Rocky Mountains. Inzwischen hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Welche Umwege er dafür nehmen musste, was Wintersportler in Nordamerika erwartet und warum man sich um ein ganz spezielles Erlebnis frühzeitig kümmern sollte, verrät der Stumböck-Guide im Interview.

Vom Koch zum Guide für Kanada-Skireisen

René, du begleitest Stumböck-Gäste beim Skifahren in Kanada, gefühlt hast du aber schon jeden Job ausprobiert.

In der Schweiz habe ich Koch gelernt, danach verschiedene Jobs auf dem Bau gehabt und mich anschließend in der Gastronomie selbstständig gemacht. In Kanada habe ich ein Restaurant an der Ostküste und eins in Kimberley eröffnet. Dann folgten Stationen als Dachdecker und Skitechniker bei Mike Wiegele, zwischendurch habe ich noch Highway-Brücken repariert. Und jetzt bin ich seit mehr als zehn Jahren Stumböck-Guide.

Wie kam der Kontakt zustande?

Ein Freund von mir hat dort als Guide gearbeitet und mir den Job empfohlen. Stumböck kannte ich aber schon, weil die Gäste öfter in meinem Restaurant gegessen haben.

Mit dem Job als Guide scheinst du deine Berufung gefunden zu haben. Warum passt das so gut zu dir?

Natürlich weil  ich einfach gerne Skifahre. Das war schon zu Schulzeiten das Wichtigste für mich. Außerdem lerne ich ständig neue und vor allem interessante Leute kennen, die ich im normalen Leben sonst wohl nicht treffen würde.

Viele Guides scheinen eine außergewöhnliche Vita zu haben. Muss man ein ganz spezieller Typ sein, um den Job zu machen?

Diese Art von Job zieht auf jeden Fall spezielle Leute an. Du musst sehr flexibel sein, weil du nie weißt, wie viel Arbeit du in einer Saison hast. Ein alltäglicher Typ solltest du sicher nicht sein.

„Sichergehen, dass jeder eine gute Zeit hat“

Was sind deine Aufgaben während eines Trips?

Spaß beim Tree Skiing. © A. Hottenrott

Ich fahre die Gäste von Ort zu Ort und führe sie durch die Skigebiete. Im Resort will ich sichergehen, dass jeder eine gute Zeit hat. Wenn die Schneebedingungen top und alle Gäste gut drauf sind, ist das leicht. Ansonsten muss ich auch schon mal den Animateur geben.

Was dürfen Gäste erwarten, wenn sie mit dir unterwegs sind?

Ich versuche zu vermitteln, wie wir in Nordamerika Ski fahren. Das ist anders als in den Alpen. Wir fahren nicht einfach mit dem Lift hoch und die Piste runter. Wenn wir oben sind, schauen wir uns den Berg genau an. Wir versuchen, eine coole Linie zu finden, einen kleinen Sprung, einfach ein bisschen interessantes Gelände. Ich möchte die Gäste auch mal ans Limit bringen, ein bisschen aus der Komfortzone heraus.

Für wen sind Stumböck-Reisen interessant? 

Meistens für Leute, die eher sportlich sind. Und die nicht unbedingt die klassischen Skiferien wollen, sondern eher etwas Aufregendes. Du musst aber kein super Skifahrer oder Snowboarder sein. Auch als Anfänger kannst du mit uns eine tolle Zeit haben. Wer es gerne komfortabel hat, übernachtet im Luxushotel in Banff, macht drei Runs und geht dann ausgiebig essen.

Das Beste der Kootenays auf dem Powder Highway

Hast du selbst einen Favoriten unter den Touren im Stumböck-Programm?

Immer in den Powder. Auch mal kopfüber. © A. Hottenrott

Die „Freeride Triangle“ über den Powder Highway von Fernie nach Revelstoke, wegen der Landschaft und natürlich der Skigebiete. Gerade Whitewater und Red Mountain sind super Resorts. Dort erlebst du alles, was die Kootenay-Region ausmacht. Und die Atmosphäre ist klasse. Die Leute dort sind aktiv in der Natur und dabei total entspannt.

Entspannte Leute haben wir auch im Städtchen Nelson getroffen.

Nelson ist bekannt für sein relaxtes Flair. Dort gibt es Künstler, arme und reiche Leute, und irgendwie vermischt sich alles und alle haben Spaß zusammen. So etwas findet man nicht oft. Außerdem kann man abends gut weggehen. Es gibt viele Lokale und Bars, oftmals treten Livebands auf. Wahrscheinlich gibt es in den Kootenays kein besseres Nachtleben als in Nelson.

Hast du ein paar Empfehlungen?

Mir persönlich gefällt Mike‘s Place im Hume Hotel sehr gut, auch die Spiritbar dort. Ansonsten ist elektronische Musik sehr groß in Nelson. Im Bloom Nightclub legen bekannte DJs auf. Aber daneben gibt es noch eine Menge anderer toller Läden. Und wer im Sommer kommt, kann auf dem großen Shambhala-Festival ein paar Kilometer vor Nelson feiern.

Wo trifft man dich denn im Sommer?

Meistens beim Mountainbiken. Das geht in Nelson extrem gut, genauso wie rund um Red Mountain mit seiner lebhaften Community und dem großartigen Seven Summits Trail. Aber auch Revelstoke und Fernie kommen immer mehr. Und du siehst immer dieselben Typen. Diejenigen, die im Winter auf Ski unterwegs waren, haben im Sommer ihre Bikes draußen.

Heliskiing frühzeitig buchen

Hast du noch einen Tipp für Stumböck-Reisen?

Definitiv Heliski. Das ist ein ganz spezielles Erlebnis. Allein der Moment, wenn der Heli über dir schwebt und dann landet. Und das Skifahren ist der Hammer. Manchmal kann man von Kanada aus Tagestrips buchen, doch vor allem in der Hochsaison gibt es kaum freie Plätze. Wer wirklich zum Heliski möchte, sollte sich schon zuhause darum kümmern. Entweder man entscheidet sich für Reisen mit Heli-Tagen inklusive oder man bucht direkt einen Trip fest hinzu.