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Im Westen viel Neues

Text: Bernhard Krieger

Neue Skiresorts sind so selten wie Pulverschnee im August. Selbst in Kanada, wo Umweltschützer Neuerschließungen wegen der schier unermesslichen Weite der Gebirge gelassener betrachten als in den dicht besiedelten Alpen. Auch neue Heliskiing-Areale sind eine absolute Rarität. Und dennoch gibt es sie. In British Columbia sogar im Doppelpack. In Valemount entsteht ein gigantisches neues Skigebiet. Gar nicht weit entfernt von Bearpaw Heliskiing – dem jüngsten neu erschlossenen Heliskiing-Areal Kanadas.

Button_ski_kanada_5Nordamerikas neues Mega-Skigebiet „Valemount Glacier Destination“ ist noch Zukunftsmusik, Bearpaw Heliskiing längst Realität. Nordwestlich von Jasper entsteht damit ein neuer Hotspot der kanadischen Skiszene rund um das Örtchen Valemount und die Universitätsstadt Prince George. Zumal Mike Wiegeles Heliskiing-Resort in Blue River nur knapp eine Stunde südlich und die zwei Heliskiing-Lodges Cariboos und Valemount von Canadian Mountain Holidays (CMH) ganz in der Nähe liegen.

Valemount Glacier Resort Panorama c Valemount Glacier Destinations Ltd., All rights reservedDas neue Valemount-Resort wird in einer Ecke des CMH-Cariboos-Areal errichtet. Und in was für einer! Bis auf über 3.000 Meter ragen die nördlichen Rocky Mountains hier in den Himmel. Die Lifte sollen den Valemount Gletscher und die umliegenden Gipfel (Mount Pierre Elliot Trudeau, Twilight Glacier, Glacier Ridge und Mount Arthur Meighen) erschließen. Die anvisierte Höhendifferenz von mehr als 2.000 Metern wäre Nordamerika-Rekord und Valemount dank der großen Eisfelder das einzige Ganzjahresskigebiet des Kontinents.

Das neue Resort im typisch kanadischen Village-Stil mit Holz-Blockhütten und Chalets soll ebenfalls auf 1.800 Metern Höhe entstehen. Das klingt vielversprechend. Der für den vergangenen Sommer geplante Baubeginn wurde zwar auf 2018 verlegt – verschoben sei aber nicht aufgehoben, versichert Resort-Designer Tommaso Oberti. „Die Genehmigungsprozesse verliefen langsamer als geplant“, erklärt Oberti, der zusammen mit seinem Bruder Oberto Oberti ein Architekturbüro in Vancouver betreibt. Einige Details müssten deshalb noch geplant werden. Erst dann könne die avisierte Finanzierung durch zwei Investoren aus Toronto unter Dach und Fach gebracht werden, frühestens im Herbst 2017.

Bislang haben die Obertis in Valemount alle bürokratischen und gesellschaftlichen Hürden genommen. Anders als mit ihrem vorherigen Skiresort-Projekt „Jumbo Glacier“ westlich des Skiresorts Panorama. Damals hatten sie sich am Ende mit so ziemlich allen Beteiligten überworfen, erzählen Insider. Letztlich brachten die in Kanada „First Nations“ genannten Indianer das Projekt mit ihrem Veto zu Fall.

Die Obertis haben aus dem Jumbo-Debakel gelernt. In Valemount traten sie sehr viel diplomatischer auf. Der von Anfang an ins Boot geholte First Nations-Stamm der Simpcw unterstützt das Projekt ebenso wie die Provinz BC und die Gemeinde Valemount. Selbst Umweltschützer sind von der Nachhaltigkeit des Ganzjahres-Resorts überzeugt.

Planungs- und Vermessungsarbeiten vor Ort laufen bereits, die ersten Lifte sollen dann im Sommer 2018 installiert werden. Die Obertis sprechen zwar noch immer von einem Soft-Opening in der Saison 2018/2019, realistischer ist aber eine Eröffnung in der folgenden Saison Ende 2019.

Bearpaw: Boutique-Heliskiing at it’s best

Wann immer „Valemount Glacier Destination“ eröffnet, den Besitzern von Bearpaw Heliskiing, Amber Shipley und Kevin Taylor, sind die neuen Nachbarn willkommen. „Nachbarn“ im kanadischen Sinne. Bearpaw liegt rund dreieinhalb Autostunden nordwestlich von Valemount. Für kanadische Verhältnisse aber ist das quasi um die Ecke.

Amber und Kevin können sich gut vorstellen, dass sich gerade Gäste aus Europa in Zukunft in Valemount für ihr Heliskiing-Abenteuer warmfahren und dort akklimatisieren. Von Edmonton aus böte sich dann auch ein Ski-Roadtrip mit Zwischenstationen in den Skigebieten von Jasper und Valemount an, bevor als Höhepunkt Heliskiing bei Bearpaw folgen würde.

Und ein Höhepunkt jedes Skitrips ist Bearpaw Heliskiing auf jeden Fall. Es ist das jüngste, komplett neu erschlossene Heliskiing-Areal Nordamerikas. Und es ist ein Juwel. Der Newcomer liegt in Sinclair Mills nur knapp eine Autostunde von Prince George entfernt, das täglich fast zehn Mal von Vancouver und Calgary aus angeflogen wird. Die schnelle Anbindung ist gerade für Europäer ideal, für sie sind nämlich nur wenige Heliskiing-Lodges noch am Abreisetag abends erreichbar.

2014/2015 haben Amber und Kevin eröffnet. Kaum erhob sich der Hubschrauber zum ersten Heliskiing-Einsatz bei Bearpaw in den Himmel, war Bap Koller auch schon da. Der deutsche Heliskiing-Experte aus dem Bayerischen Wald ist immer auf der Suche nach neuen Angeboten für sein Reiseveranstalter-Unternehmen Outdoor Adventures. Bap hat Hunderte Heliskiing-Tage in den Knochen und Dutzende Anbieter in BC ausprobiert. „Aber bei Bearpaw wusste ich gleich: Das ist etwas ganz Besonderes!“, erklärt der staatlich geprüfte Skilehrer.

„Boutique-Style-Heliskiing“ nennt Bap das Modell Bearpaw. Klein, aber fein ist das Chalet-Dörfchen, familiär der Umgang in der Lodge und beim Skifahren auf dem Berg, aber riesig das Ski-Areal. 5.000 Quadratkilometer misst das Gebiet. Damit ist das exklusive Heliskiing-Gebiet von Bearpaw so groß wie das gesamte Allgäu. „Das ist ein gigantischer Spielplatz für maximal zehn Heliskiing-Gäste“, schwärmt Bap.

In einem so riesigen Areal könnte problemlos ein halbes Dutzend großer Helikopter mit mehreren Gruppen operieren, Amber und Kevin aber setzen nur einen einzigen kleinen Hubschrauber ein. Dieser bedient auf Anfrage eine „Private-Group“ von vier Gästen und zwei Guides oder standardmäßig im „Semi-Private-Programm“ zwei Gruppen à fünf Gäste mit je einem Guide.

Genügend Platz zum Powdern

Genügend Platz zum Powdern

Individueller und exklusiver ist Heliskiing kaum denkbar. „Besonders schön ist es natürlich, wenn man so eine kleine Lodge mit Freunden und Stammkunden für sich allein haben kann“, erzählt Bap. So wie im Januar 2017, als er mit einer Gruppe aus Bayern, einem Schwarzwälder, einem Flachlandtiroler aus Köln und einem Australier bei Bearpaw einfiel.

Obwohl ein Wärmeeinbruch den Schnee im Tal damals ziemlich weggefressen hatte, wirkte das Bearpaw-Dörfchen bei Ankunft der Gruppe am späten Abend immer noch wie aus einem Wintermärchen. Fackeln und Windlichter beleuchteten die gefrorenen Wege, das aus den Fenstern der Blockhütten fallende Licht ließ die Eiskristalle funkeln. Amber und Kevin begrüßten ihre Gäste als wären sie alte Freunde. Andere mögen Heliskiing als Geschäft ansehen, für Amber und Kevin ist es – bei aller gebotenen Professionalität beim Skifahren im ungesicherten Gelände – eher Leidenschaft und Hobby.

Beide stammen nicht aus den Bergen, sondern aus der Prärie. Amber aus Saskatchewan, Kevin aus Manitoba. Vielleicht ist ihre Liebe zum Skifahren deshalb so groß. Als Kinder kamen sie nach Prince George. „Zum Glück waren Ambers und meine Eltern leidenschaftliche Skifahrer“, erzählt Kevin. „Jede freie Minute waren sie in Purden.“ Purden ist neben Tabor Mountain und Powder King eines von drei kleineren Skiresorts rund um Prince George. Alle haben jeweils gut 20 Abfahrten, die von zwei bis drei Liften bedient werden. „Viele unterschätzen die Ski-Community von Prince George, weil die Skigebiete relativ klein sind“, meint Kevin.

Zum Skifahren- und Snowboarden-Lernen aber reichten sie allemal. Und dann ziehe es die meisten Ski-Freaks sowieso hinaus zum Freeriden und Tourengehen, so wie Kevin, der einige Jahre im Winter als Holzfäller in den Bergen gearbeitet hat. „Da habe ich im Morgengrauen angefangen, sechs Stunden gearbeitet und dann bin ich jeden Tag Skitouren gegangen – oft zusammen mit Amber.“

Dass er mal ein Heliskiing-Unternehmen aufbauen würde, hätte er sich damals aber nie erträumt. Zum Heliskiing ist er überhaupt nur durch Zufall gekommen, als ihn der Besitzer von Crescent Spur Heliskiing, Marc Aubrey, beauftragte, Landeplätze in die Bergwälder zu schlagen. Marc fiel sofort auf, dass Kevin nicht nur ein guter Holzfäller, sondern auch ein guter Skifahrer war. „Marc hat mich gefragt, ob ich als Heliskiing-Guide bei ihm arbeiten wolle“, erzählt Kevin. „Und wer sagt schon Nein, wenn er fürs Skifahren bezahlt wird?“

15 Jahre lang arbeitete Kevin für Crescent Spur, dann machte er sich zusammen mit Amber selbständig und gründete Bearpaw als Bau- und Heliskiing-Unternehmen. „Bis wir die ganzen Genehmigung fürs Heliskiing zusammenhatten, dauerte es ewig“, erinnert sich Kevin. Mit der Bausparte hatten sie gleich Erfolg. Schaut man sich die urigen Chalets der Bearpaw Lodge an, ist das kein Wunder. Kevin hat die gesamte Lodge und alle Blockhütten mit seinen Leuten selbst gebaut.

Zum Teil uraltes Holz aus verfallenden Scheunen hat Kevin zusammengetragen und mit Natursteinen und großen Glasflächen kombiniert. Vor allem die Haupt-Lodge ist ein Schmuckstück. Neben dem Kaminzimmer schließt sich auf der einen Seite die offene Küche an, in der Köchin Brooke grandios aufkocht. Auf der anderen Seite gewähren bodentiefe Fenster im Esszimmer einen wunderbaren Blick über das Tal, durch das sich der Fraser River schlängelt. Die Blockhütten sind mit viel Liebe zum Detail gebaut – nur auf Schallisolation scheinen Kanadier keinen Wert zu legen. Aber Heliskiier sind ja selten Honeymooner, so dass aus den Nachbarzimmern meist nur das Schnarchen der Ski-Kumpels in voller Zimmerlautstärke zu hören ist.

Gestört fühlt sich keiner, zumal den meisten nach einem Heliskiing-Tag ohnehin früh die Augen zufallen – vor allem, wenn Kevin auch noch seinen „Bear-Cub-Cocktail“ (Bärenbaby-Cocktail) mixt. Seine Spezialmischung aus Martini, Wodka, Limonensaft, zerstoßenen Himbeeren und Honig hat es in sich. Doch auch ohne Schlummertrunk schläft man bei Bearpaw wie ein Bärenbaby.

Das Bearpaw-Areal ist nämlich nicht nur riesig, sondern auch durchaus anspruchsvoll. Es umfasst vier Gebirgsketten: McGregors, Dezaiko, Missinchinka und die Rocky Mountains. Die McGregors erheben sich gleich hinter der Lodge und bieten mit die besten Waldabfahrten Kanadas. Die legendären Monashees bekommen dadurch echte Konkurrenz. Liegt richtig viel Schnee, verwandeln sich die McGregors in ein Tiefschneeparadies mit jeder Art von Waldabfahrten. Es gibt steile und enge Runs wie „Romana“ und „Doppel D“ für Experten, genauso wie locker zu fahrende Genussabfahrten mit weit auseinander stehenden Baumriesen wie Big Spruce.

Reisetagebuch Bernhard Kanada BC Bearpaw Heliskiing Abfahrt Treeskiing Panorama c Bernhard Krieger

Treeskiing in Bearpaw

Die längsten Abfahrten mit bis zu 1.400 Höhenmetern befinden sich in den rund 25 Flugminuten entfernten Rocky Mountains mit ihren fast 3.000 Meter hohen Gipfeln. Zu den landschaftlich dramatischsten gehört Ice Cathedral. An vereisten Wasserfällen vorbei führt Kevin seine Gruppe dort hinunter auf einen zugefrorenen Bergsee. „Überwältigend ist auch der Hedrik Lake in den Dezaiko-Bergen, der unterhalb gigantischer Gletscher liegt“, schwärmt Kevin, der sein Areal über viele Jahre hinweg auf unzähligen Skitouren erforscht hat.

Die Flugzeiten zu den fantastischen Hängen sind relativ kurz, wenn der Pilot nicht gerade mal wieder Umwege wegen der Karibu-Herden fliegen muss. Um die Tiere nicht zu stören, weichen die Heliskier aus. „Wir haben ja genug Alternativen“, sagt Kevin. Und fast jeden Tag entdecken sie neue Runs, denen die Gäste dann Namen geben dürfen. Seit dem Besuch von Baps Gruppe im Januar 2017 heißt eine Abfahrt in der McGregor-Range „Crazy Bavarians“ und eine andere „Kölle Alaaf“ – das kommt davon, wenn Kölner während der Karnevalsession nach Kanada zum Heliskiing fliegen.

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Name Bear Paw
Location Sinclair Mills
Provinz/Bundesstaat British Columbia
Mountain Range Bear Paw
Zielflughafen Prince George
Transferzeiten 1 h