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Wo Traumabfahrten Alltag sind: Heliskiing in Kanada

Text: Bernhard Krieger

Champagne Powder, majestätische Bergmassive und urige Lodges mitten in der weißen Wildnis – British Columbia ist das Winterwunderland für Skifahrer und Snowboarder.

„“Wie oft seid ihr in dieser Saison einen unverspurten Hang gefahren?““, fragt Bruce Howatt die neuen Gäste in der Bobbie Burns-Lodge. „„So einen Pulverschneehang, in den noch keine einzige Spur gezogen ist?““, schiebt der Lodge-Manager von Canadian Mountain Holidays (CMH) hinterher. Zwei passionierte Tourengeher aus dem Engadin kommen immerhin auf ein gutes Dutzend, ein Berner zählt fünf, drei Norddeutsche können sich beim besten Willen an kein einziges Mal in diesem Jahr erinnern. „“Wir sind allein heute elf solcher Powderruns gefahren““, sagt Bruce und fügt strahlend hinzu: „„That´s heliskiing!““

Heliskiing in Kanada ist kein Vergleich zu den Alpen

 

Spielt das Wetter in den Rocky Mountains mit, fahren Heliskier den ganzen Tag in ihrem Skiurlaub in Kanada jungfräuliche Pulverschnee-Hänge. Die große Ausnahme in den Alpen ist in British Columbia Alltag. Und das liegt nicht nur an den gigantischen Schneemengen von 20 und mehr Metern pro Jahr. „Die Flexibilität durch die Hubschrauber macht Kanada zum Winterwunderland für Tiefschneefans“, erklären Heliskiing-Spezialisten.

Selbst Tage nach dem letzten Neuschnee fahren Heliski-Urlauber in British Columbia noch in makellosem Gelände, weil die Areale mit durchschnittlich 2.200 Quadratkilometern riesig sind. Die größten sind mit über 9.000 Quadratkilometern doppelt so groß wie die Zentralschweiz. Selbst durchschnittliche Heliskiing-Areale sind zweimal größer als die legendären Skigebiete von St. Moritz, Zermatt, Arlberg, Aspen, Vail und Whistler zusammen. Dort sind tausende Skifahrer pro Tag unterwegs, im Gebiet der Bobbie Burns-Lodge in British Columbia nur 44!

Jeder kann zum Heliski nach Kanada fahren

 

Heliskiing ist ein exklusives Vergnügen. Dennoch geht es leger zu. „Heliskier sind keine Snobs, sondern einfach nur leidenschaftliche Skifahrer, denen es um ein einzigartiges Skierlebnis geht“, sagt der achtmalige Ski-Weltcupsieger Daniel Mahrer aus Chur. Entsprechend bunt gemischt sind die Gruppen in den Helis. Da sitzen Unternehmer und Konzernbosse neben Normalverdienern, Top-Skifahrer neben klassischen Skiurlaubern und einige Jüngere zwischen deutlich mehr reiferen Semestern.

Der ehemalige Abfahrts-Champion Mahrer mag die ungezwungene Atmosphäre beim Heliskiing-Urlaub in Kanada. Und er liebt den magischen Moment, wenn der Heli die Wintersportler auf einem Gipfel abgesetzt hat, wieder aufsteigt und dann im Sturzflug ins Tal abdreht –und plötzlich absolute Stille herrscht. Wie in einer Schneekugel flirren dann im Sonnenlicht funkelnde Schneekristalle durch die Luft. Bis zum Horizont gibt es nichts außer imposanten Gipfeln, gigantischen Gletschern und riesigen Tälern mit weiß überzuckerten Wäldern. Kein Ort ist zu sehen, kein Haus, keine Straße, kein Strommast – und auch keine Spuren von anderen Skifahrern.

Ideal für Einsteiger

 

„“So ein weiter Gletscher ist ideal für den Einstieg““, sagt Bruce. Für die Gäste sieht es so aus, als würde der Pilot irgendeinen Traumhang anfliegen, doch die Guides überlassen nichts dem Zufall. Alle Landepunkte und Abfahrten sind getestet und kartographiert. Morgens um sechs haben die Guides die Wetter- und Schneeberichte studiert und sich mit den anderen Heliskiing-Anbietern in der Region ausgetauscht. „Safety first“ lautet das Motto, Konkurrenzdenken gibt es nicht. Nirgendwo sind Guides und Piloten besser ausgebildet, die Sicherheitsstandards höher und die Gäste intensiver mit Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Sonde und Schaufel vertraut gemacht. CMH stattet jeden zudem mit Funkgerät und – gegen Gebühr auch mit einem ABS-Lawinenairbag aus.

„„Gehetzt wird niemand!“

 

Heliskiing ist ein Abenteuer, aber längst nicht nur etwas für Super-Skifahrer. „“Jeder gute Skifahrer kann zum Heliskiing fahren““, betont Bruce. „“Gestresst oder gehetzt wird niemand. Wer mal müde ist, fliegt mittags zurück in die Lodge oder setzt einfach auch mal einen Tag aus““, erklärt der CMH-Lodgemanager. Heliskiing-Spezialisten wie „knecht reisen“ haben zudem spezielle Einstiegstouren im Angebot, bei denen man vorsichtig an das Fahren im Gelände herangeführt wird, bevor man erstmals mit Herzklopfen in den Heli steigt.

Das Kribbeln im Bauch gehört dazu – auch für erfahrene Heliskier. Denn die Schneeverhältnisse ändern sich stetig. Wind und Wetter machen das Fahren im unpräparierten Gelände auch mal zur Herausforderung. Aber auch bei schwierigen Bedingungen finden Bruce & Co. immer noch Traumhänge. Können die Helikopter wegen Nebels, Sturms oder extrem starken Schneefalls mal nicht bis auf die Gipfel fliegen, weichen die Guides in die Wälder aus – zum sogenannten „Tree-Skiing“. Der Naturslalom durch die Bäume und das Naturerlebnis in den kanadischen Wäldern ist für viele unvergesslich. Diese perfekte Mischung aus Waldabfahrten, herausfordernden Steilstücken und offenen Freeride-Hängen macht die Faszination Heliskiing aus.

Wie exklusiv man diese erlebt, hängt von der Lodge, dem gebuchten Paket – vom Tagesangebot bis hin zum Wochen-Arrangement –– und der Gruppengröße ab. Marktführer CMH bietet gleich elf Lodges und Heliskiing mit kleinen oder großen Helis an. In den größeren fliegen elf Gäste, in den kleineren vier bis fünf. Ein Hubschrauber steht drei bis vier Gruppen zur Verfügung. Dank des eingespielten Systems halten sich die Wartezeiten in Grenzen. Fährt die eine Gruppe gerade ab, fliegt der Heli schon die nächste auf den Gipfel.

30.000 bis 50.000 Höhenmeter pro Woche

 

Je weniger Skifahrer und je weniger Gruppen ein Heli befördert, umso mehr fährt man. Acht bis zehn Runs pro Tag sind normal, bis zu 15 und mehr möglich. Zwischen 30.000 und mehr als 50.000 Höhenmeter in einer Woche sind durchaus üblich – eine Mindestanzahl von Höhenmetern ist immer inkludiert. Wer mehr fliegt, zahlt einen Aufpreis, wer wegen schlechten Wetters weniger fliegt, erhält eine Rückerstattung.

Das ist beim Marktführer CMH, dessen Gründer Hans Gmoser das Heliskiing in Kanada 1965 erfunden hat, nicht anders als bei Boutique-Heliskiing-Anbietern wie Bella Coola, Northern Escape oder Last Frontier Heliskiing. Das von dem  ausgewanderten Schweizer George Rosset gegründete Unternehmen operiert im hohen Norden British Columbias an der Grenze zu Alaska. Rund um seine zwei Standorte Bell 2 und Ripley Creek hat es 9.500 Quadratkilometer zur Verfügung –– das entspricht einem Viertel der Fläche der Schweiz. Last  Frontier Heliskiing fliegt mit kleinen Helis und Fünfergruppen.

Catskiing zum Warmfahren

Genauso legendär wie der hohe Norden British Columbias ist das Tiefschnee-Dorado Revelstoke. In dem Städtchen am Columbia River kann man nicht nur mit CMH oder Selkirk-Tangiers zum Heliskiing, sondern sich in dem anspruchsvollen Skigebiet auch warmfahren und Catskiing ausprobieren. Beim Catskiing transportieren umgebaute Pistenraupen die Wintersportler hinauf auf die Gipfel, von denen die Gruppen von rund zehn Skifahrern und Snowboardern von einem Guide geführt ins Tal gleiten. Unten angekommen, bringt die Pistenraupe sie wieder hinauf. „Die Krönung jedes Kanada-Skiurlaubs aber ist und bleibt Heliskiing“, da sind sich Daniel Mahrer und CMH-Lodge-Manager Bruce Howatt einig.

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