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Mit dem Stumböck-Club nach Banff, Kicking Horse und Revelstoke: Auf Skisafari mit Heli und Cat

Text: Tim White

Auf dieser Tour nach Alberta und British Columbia in Kanada mit dem Stumböck Club jagt ein Höhepunkt den nächsten. Mit Banff, Kicking Horse und Revelstoke stehen drei absolute Traumziele für Wintersportler auf dem Programm, zudem erkundet man beim Catskiing mit K3 die großartigen Hänge der Monashees. Das traumhafte Finale sind zwei Tage Heliskiing bei Selkirk Tangiers. Während der gesamten Reise kümmern sich die Stumböck Guides um einen reibungslosen Ablauf und sorgen dafür, dass man die paradiesische Bergwelt in vollen Zügen genießen kann.

Ein bisschen beeindruckt bin ich schon von dem Mann mit der auffällig orange leuchtenden Jacke, dem ich bereits eine ganze Weile folge. Nicht nur, dass er ausgezeichnet Ski fährt, er scheint das Gebiet auch wie seine Westentasche zu kennen. Hier findet er einen Weg durch ein paar eng beieinander stehende Baumgruppen, dort gänzlich unverspurten Powder abseits der Piste. Als er eine Pause einlegt, komme ich neben ihm zum Stehen. Ein Steinbock und der Schriftzug „Stumböck Club“ zieren seine Jacke.

Firmengründer Peter Stumböck war einer der Pioniere des Kanada-Skitourismus. Als einer der ersten setzte er konsequent auf geführte Gruppen, die von eigenen Guides begleitet werden. Der Begriff Stumböck Guide ist deshalb in Kanada zu einem festen Begriff in der Skiszene geworden und der Stumböck Club seit Jahrzehnten führend in Gruppenskireisen und Skisafaris nach Kanada.

„Geht’s weiter?“, fragt mich mein Stumböck Guide und als ich nicke, setzt er sich mit einem breiten Grinsen in Bewegung. Natürlich geht es weiter – es ist der erste Tag meiner Heli-Catski-Safari, die der Stumböck Club ab 4.158 Euro anbietet, und ich möchte so viel wie möglich erleben. Also folge ich David, meinem Stumböck-Guide mit der orange leuchtenden Jacke, zu den allerbesten Abfahrten.

Skisafari mit dem Stumböck Club: Über Calgary nach Banff

Am Vortag bin ich nach einem Acht-Stunden-Flug mit Air Canada ab Frankfurt in Calgary gelandet. Die Öl-Metropole gibt vom Flugzeug aus ein beeindruckendes Bild ab. In ihrem Zentrum erheben sich moderne Hochhäuser und der wegen seiner 360-Grad-Aussichtsplattform bei Touristen beliebte Calgary Tower, während sich die umliegenden Wohngebiete bis weit in die braune Prärie ziehen, alles vor der Kulisse der majestätischen Rocky Mountains. Irgendwo versteckt zwischen diesen verschneiten Gipfeln muss mein nächstes Etappenziel liegen. Banff zählt in Kanada zu den ersten Adressen für Wintersportler, habe ich mir sagen lassen. Gleich drei Skiberge – Mount Norquay, Sunshine Village und Lake Louise – erreicht man vom Ort aus in kürzester Zeit.

Gut gelaunt empfängt Stumböck Guide David unsere zehnköpfige Reisegruppe am Flughafen. In Frankfurt hatte ich einige meiner Mitreisenden schon am Stumböck-Rucksack erkannt, den uns der Skireisespezialist als Willkommensgeschenk schon mit den Buchungsunterlagen in Deutschland zugeschickt hatte. Nach einer herzlichen Begrüßung verstaut David unsere Gepäckstücke in seinem weißen Van, dann sind wir schon unterwegs in Richtung Rockies. Die Häuser am Straßenrand weichen nach einigen Kilometern ausladenden Weideflächen, auf denen Rinder in riesigen Herden zufrieden grasen. Gut eine Stunde später sind wir schon mitten in den Rockies. Praktisch ohne Vorwarnung erheben sich die steilen Felswände direkt aus der flachen Ebene.

Der Trans Canada Highway führt uns mitten durch die wundervolle Bergwelt mit tief verschneiten Wäldern und dem in der Sonne glitzernden Bow River. Als wir Banff erreichen, steuern wir auf die gemütliche Banff Park Lodge mit ihrer rustikalen Steinfassade zu. Das grüne Schild vor der Tür preist den Indoor Swimming Pool und den Steam Room an. Statt in den heißen Dampf geht es für uns allerdings erst durch die frische Bergluft zum Ski-Shop.

Top ausgerüstet für Lake Louise

Das eigene Material hat nämlich kaum jemand dabei. Warum auch: Obwohl Air Canada unsere Ausrüstung kostenlos transportiert hätte, bedeutet weniger Gepäck ein komfortableres Reisen und im Geschäft kann man sich schließlich top Equipment leihen. Gut, dass David, wie alle Guides von Stumböck, perfekt deutsch spricht und auch bei etwas komplizierteren Anliegen schnell vermitteln kann. Während wir unsere Wünsche durchgeben, flimmern Skifilme über den Flatscreen an der Wand. Als ob meine Vorfreude nicht ohnehin schon groß genug wäre! Und sie wird noch weiter angeheizt: Auf dem Rückweg verzichte ich auf den Van und schlendere zu Fuß zurück zur Lodge. Die Straßengeräusche dringen nur gedämpft zu mir herüber, denn eine feine Schicht Neuschnee hat sich über den Ort gelegt. Perfekte Bedingungen für den Start in die Skisafari!

Beim Abendessen im Terrace Dining Room der Banff Park Lodge gönne ich mir ein saftiges Steak – Alberta Beef ist eine wahre Delikatesse –, dazu ein lokales Bier. Danach geht es ab ins Zimmer und recht zügig unter die kuschelige Decke des Kingsize-Bettes. Nach dem Flug muss ich dringend Energie tanken. Am nächsten Morgen erkunden wir immerhin Albertas größtes Skigebiet.

Nach einem vom Koch frisch zubereiteten Frühstücksomelette und einigen Leckereien vom Buffet sitzen wir pünktlich im Van. Unsere Leihausrüstung hat David schon eingeladen, nun chauffiert er uns nach Lake Louise. Da unser Stumböck Guide sich bereits um die Tickets gekümmert hat, können wir vor Ort direkt durchstarten. Toller Service! Während wir mit dem Sessellift nach oben fahren, verschwindet die markante Blockhütte der Talstation, die ich aus den Fernsehübertragungen des Weltcups in Lake Louise kenne, in unserem Rücken. Derweil vollführen einige Wagemutige halsbrecherische Kunststücke im Park zu unserer Rechten und wir haben im Lift Logenplätze in luftiger Höhe.

Albertas schönstes Panorama

Oben angekommen halten wir einen Moment inne. Zu unseren Füßen erstreckt sich ein dichter, von Schluchten durchzogener Wald, aus dem die gezackten Felsformationen der Rockies hoch aufragen, und der beeindruckende Victoria Gletscher funkelt unter blauem Himmel.

Doch Lake Louise begeistert uns nicht nur wegen der fantastischen Aussicht. Auf den ersten, breiten Genussabfahrten lassen wir es noch ruhig angehen, doch nach und nach erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad. Unterhalb des Ptarmigan-Sessellifts etwa kurven wir um die weit auseinanderstehenden Bäume. „Schon mal ein guter Einstieg ins Tree-Skiing“, erklärt David. Von diesem in Kanada so beliebten Naturslalom zwischen den verschneiten Stämmen hindurch werden wir in den kommenden Tagen noch einiges erleben.

Eine weitere Vorbereitungsmaßnahme auf die anstehenden Freeride-Abenteuer hat sich Stumböck-Guide David für den Nachmittag aufgehoben. Er lenkt unsere Gruppe in die Powder Bowls auf der Rückseite des Mount Whitehorn. Offensichtlich haben sich schon einige Tiefschneesüchtige auf den recht gut zu erreichenden Hängen ausgetobt, wie zahlreiche Spuren verraten, doch es gibt in dem weitläufigen Areal genug Stellen, an denen wir uns ganz ungestört einen Vorgeschmack aufs Heli- und Catskiing holen können. Auf dem Rückweg zum Van rasen wir noch die Weltcup-Abfahrt hinunter. Die Chance lassen wir uns nicht entgehen!

Anspruchsvolle Runs in Kicking Horse

Freerider lieben Kicking Horse.

Am nächsten Morgen verlassen wir Banff und erreichen nach gut eineinhalb Stunden Fahrt Kicking Horse. Hier kommen wir dem Traum vom Heliskiing schon recht nahe, schließlich war das heutige Resort oberhalb von Golden früher einmal ein Heliskiing-Gebiet. Das merkt man an den herausfordernden Runs: Viele von ihnen bringen uns richtig ins Schwitzen und nachdem David uns ein paar kleine Aufstiege hinaufführt, fallen vor unseren Augen grandiose Steilhänge ab.

Einen Mittags-Snack nehmen wir in der Eagle’s Eye-Hütte ein. Wobei „Snack“ unsere Mahlzeit nur unzureichend beschreibt – die Hütte auf einer Höhe von 2.350 Metern gilt zu Recht als kulinarischer Hotspot in Kicking Horse, in der erstklassige Gerichte serviert werden. Dabei überraschen mich nicht nur die Qualität, sondern auch die mehr als fairen Preise zwischen neun und 16 Euro für ein Hauptgericht.

Zum Glück muss mein Magen nach der leichten Pasta nicht allzu sehr arbeiten. Diese Aufgabe kommt gleich wieder meinen Oberschenkeln zu, denn von hier oben führen überwiegend als black oder double black diamond gekennzeichnete Abfahrten weg, also die schwierigste Kategorie. Über einen Zehn-Kilometer-Run gelangt man direkt ins Resort.

Freeride-Mekka Revelstoke

Weiter geht es für uns ins Freeride-Nest Revelstoke, wo die nächste tolle Unterkunft auf uns wartet. Das Coast Hillcrest Hotel wurde damals von Peter Stumböck gebaut und gehört auch heute noch zum Unternehmen. Das in die Selkirk und Monashee Mountains eingebettete Haus ist zudem die Basis für Selkirk Tangiers Heliskiing und trotzdem nicht weit vom Zentrum entfernt.

In der Lounge neben der Lobby haben sich bei unserer Ankunft schon einige andere Gäste mit einem Drink vor dem offenen Kamin versammelt, um Geschichten vom Heli- und Catskiing auszutauschen. Nicht mehr lange, dann können auch wir unsere Anekdoten beitragen! Doch erst einmal ziehe ich mich aufs Zimmer zurück. Das Hotel wurde vor kurzem aufwendig renoviert, habe ich mir sagen lassen, und das sieht man auch. Angefangen bei der modernen Dusche über hochwertig verarbeitete Granit- und Marmorelemente bis hin zu aufeinander abgestimmten natürlichen Farbtönen trägt die gesamte Einrichtung zur Wohlfühlatmosphäre bei.

Warum Revelstoke einen solch ausgezeichneten Ruf bei Wintersportlern genießt, merke ich ziemlich schnell. Der Ort hat einfach alles für Freerider: Neben Outdoor-Shops und lässigen Bars gibt es hier Heliskiing- und Catskiing-Unternehmen sowie ein hervorragendes Skigebiet. Auch hier kennt Stumböck Guide David sich zu meiner Freude bestens aus. Zielstrebig steuert er mit uns das „Village Idiot“ an, wo die aus alten Ski gefertigten Barhocker keine Zweifel an der Passion der Gäste aufkommen lassen.

„Das Revelstoke Mountain Resort hat die größte Höhendifferenz aller Resorts in Nordamerika“, sagt David, „vom höchsten Punkt bis zur Station unten sind es 1713 Meter. Auf der längsten Abfahrt bist du mehr als 15 Kilometer unterwegs.“ Beeindruckende Zahlen, zugegeben, doch ich bin nicht wegen der Rekorde hier. Und das weiß auch David. Zielsicher geleitet er uns in die North Bowl des Resorts, wo es genügend Varianten gibt, um auch die ambitioniertesten Freerider zufriedenzustellen. Nach den rasanten Runs gelangen wir durch den herrlich lockeren Powder zwischen den Bäumen immer wieder zurück auf die präparierten Abfahrten. „Jetzt seid ihr auf jeden Fall bereit fürs Catskiing“, meint David nach dem Tag im Tiefschnee.

Tiefschneeski fürs Catskiing bei K 3 in Revelstoke

Beim Catskiing in die unberührte Wildnis.

Das stimmt allerdings nur fast, ein wichtiges Detail fehlt noch. Für den ungetrübten Powder-Spaß benötigen wir noch die passenden Ski. „Damit schwebst du praktisch durch den Schnee“, versichert mir David, während die Ausrüstung von einem K3 Catskiing Mitarbeiter genau auf mich abgestimmt wird.

Am nächsten Morgen holt uns ein Fahrzeug von K3 Catskiing direkt am Hotel ab. Nach rund 40 Minuten erreichen wir das Areal des Anbieters in den Monashee Mountains. Bevor wir in den umgebauten Pistenbully klettern, steht noch das Sicherheitstraining an. Jeder der Teilnehmer muss sich auskennen mit LVS-Gerät und Sonde und wissen, welche Kommandos der Guide später gibt. Ich leihe mir noch einen Rucksack mit Lawinen-Airbag aus. Zwar befahren wir nur Hänge, die von den K3 Führern als unbedenklich eingestuft werden, aber ein gewisses Restrisiko bleibt eben doch und für uns von SKI KANADA gilt immer: „Safety first!“

Komfort im Pistenbully

Dann setzt sich das in Nordamerika „Cat“ genannte Kettenfahrzeug in Bewegung. Die Kabine ist überraschend geräumig und wir sitzen recht komfortabel, während sich der 400 PS starke Kraftprotz auf eigens dafür angelegten Wegen nach oben arbeitet. Beim Ausstieg kann ich mein Glück kaum fassen. Eine perfekte Schneedecke breitet sich vor uns aus, hier und da durchbrochen von ein paar Bäumen, die kaum zu erkennen sind unter ihrer schweren weißen Last.

Noch ein paar Anweisungen, dann taucht unser Guide ein in den Hang und hinterlässt als erster ein paar gut sichtbare Spuren im tiefen Powder. Mit ausreichend Abstand zum Vordermann folgt ihm einer nach dem anderen. Als ich an der Reihe bin, stelle ich fest, dass mir David nicht zu viel versprochen hat: Die Tiefschneeski haben einen wunderbaren Auftrieb und ich kann mich ganz darauf konzentrieren, das unbeschwerte Gefühl bei der Abfahrt zu genießen.

Unten wartet bereits die Cat auf uns. Als sie Kurs auf eine andere Ecke des Gebiets nimmt, bleibt uns ausreichend Gelegenheit zur Erholung. So reihen wir zwei Tage lang Run um Run aneinander. Selbst diejenigen unter uns, die zu Beginn noch etwas wackelig im ungewohnten Terrain unterwegs sind, gewinnen mit jedem Schwung an Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Besser kann man sich nicht auf das ultimative Ski- und Snowboard-Erlebnis einstellen.

Heliskiing in Kanada ist das Nonplusultra

Denn wenn Catskiing schon großartig war, ist Heliskiing einfach unerreicht. „Die Bedingungen unterscheiden sich nicht so dramatisch“, erklärt Stumböck Guide David, „doch die Gebiete der Heli-Anbieter sind größer, die Abfahrten meist etwas länger und die Möglichkeiten, je nach Wetter und Leistungsstärke der Gruppe die besten Spots anzufliegen, einfach unschlagbar.“

Revelstoke ist ein Hotspot für Cat- und Heliskiing.

Vor unserem ersten Flug mit Selkirk Tangiers Heliskiing steht eine weitere gewissenhafte Sicherheitseinführung an. Anschließend nehmen wir direkt hinter dem Hotel im Heli Platz, etwas beengter als in der Cat – und auch um einiges aufgeregter. Ein sanfter Ruck und schon ist der Hubschrauber in der Luft. Es dauert nur wenige Minuten, bis er uns auf einem unberührten Plateau absetzt, auf dem lediglich ein Stab mit einer gut sichtbaren Fahne als Markierung zu erkennen ist. Als der Heli in einem weiten Bogen aus unserem Blickfeld verschwindet, legt sich eine vollkommene Stille über den Gipfel. Ehrfürchtig schauen wir auf die wilde Natur vor unseren Augen. Kein Zeichen von Zivilisation, nur wir und einige der aufregendsten Abfahrten, die man sich als Freerider wünschen kann.

Die nächsten beiden Tage vergehen sprichwörtlich wie im Flug. Mal surfen wir entspannt über einen der flacheren Hänge, mal nehmen wir auf einem steileren Stück Tempo auf, mal schlängeln wir uns beim Tree Skiing um die Bäume. Die Abwechslung ist praktisch unerschöpflich.

Am letzten Abend sitzen wir mit unseren Heliski-Guides am Kamin. Die Holzscheite knacken und knistern und eine wohlige Wärme breitet sich im Raum aus, als wir durch die riesigen Fenster des Coast Hillcrest Hotels nach draußen in die Berge schauen. Dort sind wir vorhin noch gefahren!

Zu späterer Stunde stoße ich mit David auf die zurückliegende Woche an. Mit seiner Ortskenntnis, seiner Hilfsbereitschaft und seiner sympathischen Art ist er für uns alle zum unverzichtbaren Begleiter geworden. Hätte ich mich selbst um den Transfer, die Ausrüstung und die Tickets kümmern müssen, ich hätte vermutlich nur halb so viel Zeit auf Skiern verbracht. Meinen Dank wehrt David lachend ab. „Wenn es dir gefallen hat, bin ich zufrieden.“

Wirklich schade, dass ich morgen schon wieder abheben muss. Diesmal allerdings nicht im Heli auf dem Weg zum nächsten Gipfel, sondern im Flugzeug der Air Canada zurück nach Frankfurt. Dafür habe ich zuhause aber unglaublich viel zu erzählen. Schon am Kamin ist uns der Stoff zum Schwärmen nicht ausgegangen – und das, obwohl die meisten Zuhörer selbst dabei waren! Wie begeistert werden erst meine Freunde sein?

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