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Bärenstark: Fernie ist das Tor zum Powder-Highway mit seinen CMH-Heliski-Lodges

Text: Brigita Krieger

Grizzlybären haben eine verdammt gute Nase. Anscheinend auch für Skigebiete. Der Grizzly, der vor einigen Jahren einen Ski-Patroler in British Columbia (BC) fast zu Tode erschreckt hat, wusste jedenfalls ganz genau, wo man richtig Spaß im Schnee hat: in Fernie, dem Tor zum Powder-Highway mit seinen legendären Heliskiing-Lodges von CMH.

Als der Bergwachtler in Fernie am Ende der Saison die Pistenmarkierungen einsammelte, lief ihm plötzlich ein Grizzly über den Weg. Erst schubberte sich der Bär den Rücken an einem der Pistenschilder, dann setze er sich in den Schnee, hob die Tatzen und schlitterte den Hang hinab. Unten angekommen stapfte er wieder den Hang hinauf. Für die zweite „Abfahrt“ warf er sich auf den Bauch und ab ging es wieder hinunter. Zweimal wiederholte der Grizzly das Schauspiel in der „Cedar Bowl“ von Fernie. „Der Bär hatte offenbar Riesenspaß und auch einen guten Riecher dafür, wo die besten Abfahrten sind“, scherzte der Ski-Patroler.

Fernie: Perfekter Einstieg fürs Heliskiing in Kanada

 

Einen ähnlich guten Riecher für ideale Hänge hat auch Heiko Socher. Der gebürtige Deutsche ist Fernies großer Ski-Pionier. Der heute 83-Jährige legte den Grundstein für eines der besten Skigebiete der Welt. In Europa ist das Minenstädtchen am Fuße der beeindruckenden Lizard-Felswand zwar bei weitem nicht so bekannt wie Whistler oder Banff und Lake Louise, „dabei haben wir alles, was zu einem grandiosen Skiresort gehört“, sagt Heiko.

Als der Auswanderer Ende der 1960er Jahre nach Fernie kam, erkannte er sofort das Potenzial des Gebiets im Südosten British Columbias, das pro Saison im Durchschnitt mehr als elf Meter Schnee abbekommt. Der studierte Forstwirt gab seinen Job auf, schlug Schneisen für Pisten, baute die ersten Lifte und Gebäude an der Talstation. Mit seiner Frau Linda eröffnete der in Berlin geborene und in Bayern aufgewachsene Fernie-Pionier eine Skischule und einen Ski-Shop mit Verleih.

Fernie ist Weltklasse

 

Von 1973 bis 1997 führten Linda und Heiko das Skiresort als Familienbetrieb. Dann verkauften sie die Gesellschaft an die Resorts of the Canadian Rockies (RCR), die heutzutage sieben Skiresorts in Kanada betreiben und mittlerweile dem kanadischen Milliardär N. Murray Edwards gehören. Der Konzern des Öl-Multis aus Calgary pumpte viel Geld in Fernie und baute das Resort mit neuen Liften aus, die 142 Pisten bedienen und den Zugang zu über 1000 Hektar befahrbarem Gelände ermöglichen. Mittlerweile sind fünf Talschüsseln – die sogenannten Bowls – erschlossen. RCR verwandelte Fernie in ein Weltklasse-Skigebiet, die Pionierleistung von Heiko aber ist unvergessen. Die Menschen bewundern den unermüdlichen Selfmademan, der vor kurzem noch mit eigenen Händen ein historisches Gebäude auf der Rückseite der Main Street restaurierte.

„Heiko ist schon jetzt eine Legende“, sagt Shawn Clarke. Seit 18 Jahren lebt der Ostkanadier in Fernie. Und er erinnert sich noch gut an die alten Zeiten: „Heiko sammelte damals persönlich den Müll auf dem Parkplatz ein, brachte die Dosen zum Recycling. Auch als Besitzer des Skiresorts war er sich für nichts zu schade“, erzählt Shawn.

Experte für steile Tiefschneehänge

 

Auf dem Rücken seiner Skijacke steht „Steep & Deep Coach“. Shawn ist Experte für steile Tiefschneehänge – und davon haben sie in Fernie genug. Wer bei ihm einen Spezialkurs bucht, lernt das ganze Potenzial der Bowls zu nutzen. „Die steilsten Hänge haben wir unter dem Polar Peak“, berichtet Shawn im Polar Peak-Sessellift, während es hinauf auf den mit 2134 Metern höchsten Punkt des Skigebiets geht. Rechts und links scheinen die Könner fast in freiem Fall die Hänge hinunterzustürzen. Fast alles dort oben ist „Double Black“.

Double Black Diamonds nennen die Nordamerikaner ihre schwierigsten Pisten. „Einige unserer Pisten müssten eigentlich Tripple Black heißen – so steil sind sie“, meint Shawn. Die fünf Bowls bieten unendlich viele Varianten,  weil man in Kanada innerhalb des Skigebiets überall fahren kann. Auch im Wald, der im Sommer immer wieder ausgelichtet wird, damit beim „Tree- Skiing“ die Bäume für den Naturslalom im perfekten Abstand zueinander stehen. „Wer sich auskennt, findet auch Tage nach dem letzten Neuschnee noch unverspurte Flächen“, verspricht Shawn. Grandios sind die Wälder in der Timber Bowl, der Currie Bowl und den tieferen Lagen der Lizard Bowl. Wer offene Steilhänge liebt, geht in das Lieblings-Areal des Grizzlys, in die Cedar Bowl, hoch hinauf an den Polar Peak oder in den oberen Teil der Lizard Bowl.

Treeskiing: Aufstieg zu Fuß

 

Links vom Great Bear Lift lohnt sich an Tiefschneetagen auch ein kurzer Aufstieg. Früher stand hier ein Schlepplift. Der aber wurde regelmäßig von Lawinen verschüttet. „Irgendwann haben sie ihn aufgegeben. Jetzt muss man halt laufen“, meint Corien Sieders. Auch die Niederländerin ist eine von vielen Europäern, die sich in das Skigebiet und das Städtchen verliebten und dort blieben. „Fernie ist eine gewachsene Stadt mit Geschichte. Das unterscheidet sie so von anderen Skiresorts“, sagt Corien.

Fernie zieht gute Skifahrer und weniger die Schickimicki-Fraktion an. Entsprechend locker geht es in den Kneipen und Restaurants zu. Viele Lokale in Fernie sind viel billiger als in Banff oder Whistler, ohne schlechter zu sein. „Gourmets halten unser Yamagoya sogar für eines der besten Sushi-Restaurants in British Columbia“, erzählt Shawn. Auch die Steaks in der Fernie Cattle Company sind top. Die Après-Ski-Schuppen Griz Bar im Ski Village und das Brick House an der Main Street sind Skifahrern in ganz Kanada ein Begriff.

Fernie ist eine echte Ski-Town mit Seele und ein idealer Ausgangspunkt für einen Roadtrip auf dem sogenannten Powder Highway, der in BC einige der besten Skiresorts, Cat- und Heliskiing-Orte verbindet. Im Südosten beginnt er in Fernie, das mit Island Lake und Fernie Wilderness selbst zwei Catskiing-Unternehmen bietet. Fährt man nach Norden den Columbia River entlang, kommt man erst am Skiresort Panorama vorbei und dann in die Gegend von Golden. Dort gibt es mit Kicking Horse nicht nur einen weiteren rassigen Skiberg, sondern einige der legendärsten Heliskiing-Gebiete Kanadas.

Bugaboos am besten erschlossen

 

Golden ist die Wiege dieser luxuriösesten Form des Skifahrerns. Hans Gmoser hat das Heliskiing 1965 erfunden und sich mit seiner Firma Canadian Mountain Holidays (CMH) einige der besten Heliskiing-Areale in den Rocky Mountains gesichert. Mit der Bugaboos Lodge baute der Österreicher auch die erste Heliskiing-Lodge in die unberührte Wildnis. „Die Bugaboos sind unser am besten erschlossenes Gebiet“, sagt Lodge-Manager Dave Cochrane. Die Purcell- und Selkirk-Mountains, in denen riesige Gletscher von mächtigen Gipfeln eingerahmt werden, bieten zwischen 1370 und 3050 Meter schier unendlich viel Gelände. Darunter sind herausfordernde Waldabfahrten genauso wie lange Genussabfahrten auf den breiten Gletschern.  Einer Gruppe von nur 44 Skifahrern steht ein Areal von 1053 Quadratkilometern zur Verfügung. Maximal elf Gäste bilden eine Helikopter-Gruppe.

Noch kleiner und damit exklusiver wird das Heliskiing-Abenteuer in der Bobbie Burns Lodge. Maximal 33 Gäste beherbergt die Hütte auf 955 Metern Höhe. Auch diese CMH-Lodge liegt in den beeindruckenden Purcell- und Selkirk-Mountains mitten in der Wildnis. Mit dem Hubschrauber werden die Gäste zur tief verschneiten Lodge geflogen und dort von Manager Bruce Howatt persönlich empfangen.

Höchste Sicherheitsstandards

 

Kaum haben die Skifahrer ihre Zimmer bezogen, geht es schon zum Sicherheitstraining. Gewissenhaft wird das richtige Verhalten im und rund um den Helikopter erklärt und das Vorgehen im Notfall geübt. CMH und die anderen kanadischen Heliskiing-Anbieter haben höchste Sicherheitsstandards, das Restrisiko eines Lawinenabgangs aber bleibt immer bestehen. Jeder Gast muss wissen, wie er sich im Falle eines Lawinenabgangs zu verhalten und bei der Rettung zu helfen hat. CMH bietet gegen Gebühr zudem Lawinenrucksäcke an. Diese sollten für jeden Heliskier selbstverständlich sein.

Perfekt mit Lawinenairbag ausgestattet und geschult beginnen die Gäste das Heliskiing-Abenteuer schon am Anreisetag mit einem lockeren Einfahren. Ein paar kurze Runs sind ideal, um sich an das Ein- und Aussteigen zu gewöhnen. Die ersten Schwünge im knietiefen Schnee sind für viele noch ungewohnt, auch wenn die kostenlos bereitgestellten Tiefschneeski den Tanz durch den Pulverschnee enorm vereinfachen. Mit den breiten „Fat Ski“ schwimmt man förmlich auf dem Schnee auf.

„Der Schnee beim Heliskiing ist wie in ein Daunenbett“

 

Richtig genießen können die meisten das Heliskiing aber erst ab dem zweiten oder dritten Tag. Dann hat sich die Nervosität gelegt, die ungewohnt breiten Ski gehorchen immer besser und die Schwünge werden rhythmischer. „Mit diesen Brettern ist das Fahren purer Genuss“, sagt Edgar Isermann. Der ehemalige Richter ist mit einer Gruppe von Freunden schon des Öfteren zum Heliskiing in Kanada gewesen. Und jedes Mal war er wieder fasziniert. „Der Schnee macht süchtig. Mit jedem Schwung tauchst du ein wie in ein Daunenbett“, berichtet Isermann. Allein die Flüge im Helikopter seien schon fantastisch. „Und wenn einen der Heli dann auf einem Gipfel irgendwo im Nichts absetzt, wieder wegfliegt und dann plötzlich absolute Stille herrscht, ist das schon unvergesslich“, erzählt der 68-Jährige. Wie in einer Schneekugel rieseln dann im Sonnenlicht glitzernde Schneekristalle auf die kleine Gruppe von Skifahrern hinunter. Um sie herum gibt es nichts außer Berge, Schnee und tiefblauen Himmel. Fernab jeglicher Zivilisation ist der Alltag unendlich weit weg.

Im Skisport gibt es nichts Exklusiveres als Heliskiing. Je kleiner die Lodges und je kleiner die Gruppen sind, umso exklusiver wird das Vergnügen. Während in der Bobbie Burns-Lodge elf Wintersportler in einem Heli sitzen, sind es in der Adamants Lodge nur fünf. Mit der kleinen Gruppe, die mit kleineren Hubschraubern geflogen wird, ist man schneller unterwegs und kann deshalb in der Regel pro Tag mehr Höhenmeter fahren. Rund 50.000 Höhenmeter in einer Woche sind durchaus üblich.

Fit gemacht fürs Abenteuer Heliskiing

 

„Das Grandiose beim Heliskiing ist, dass du auch Tage nach dem letzten Schneefall immer noch jede Abfahrt im unberührten Powder fahren kannst“, erklärt Shawn. Der „Steep & Deep Powder-Guide“ hat in Fernie schon hunderte Heliskiing-Novizen fit gemacht für ihr großes Abenteuer. Darunter sehr viele aus Europa. Shawn weiß, was die Gäste aus Übersee am Skifahren in Kanada so fasziniert. „Der trockene Pulverschnee, das Heliskiing und dieses riesige Land mit so wenigen Menschen und so viel unberührter Natur“, listet der Skilehrer auf. „Und natürlich unsere Tiere“, ergänzt Corien Sieders. In Fernie kann man im Skigebiet Elche, Rehe, Stachelschweine, Füchse und hunderte Eichhörnchen sehen – und mit viel Glück sogar mal einen Grizzlybären beim Wintersport.

Name Fernie Alpine Resort
Location Fernie
Provinz/Bundesstaat British Columbia
Mountain Range Fernie Alpine Resort
Zielflughafen Calgary
Transferzeiten 3 ½ h